21. Mai 2019

500 Jahre Silberglöckchen in Leopoldsthal


Die zweitälteste Glocke des Saarlandes wird 500 Jahre alt. Das „Silberglöckchen“ in der Gemeinde Landsweiler-Schiffweiler hat sich tief in das Leben der Menschen geläutet. Das Jubiläum wurde jetzt mit einem Fest gefeiert.

„Es läutete bei Taufen, Trauungen und auf dem letzten Weg und ist ein heimlicher Mittelpunkt des kleinen Ortsteils Leopoldsthal.“ Wiltrud Bauer, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Landsweiler-Schiffweiler, weiß, wie viel das kleine Glöckchen den Gemeindemitgliedern im Ortsteil Leopoldsthal bedeutet. Dort hängt das „Silberglöckchen“ bereits seit fast 100 Jahren.

Gegossen und gebrannt wurde die Glocke vor 500 Jahren, im Jahr 1519, was sie zur zweitältesten im Saarland macht. Bevor das Glöckchen in den Besitz der Gemeinde Landsweiler-Schiffweiler überging, hing sie in einer Ottweiler Kapelle, wo sie vorbeiziehende Wanderer und Kaufleute zum Innehalten und Beten erinnerte. 1921 kauften die „Evangelischen vom Leopoldsthal“ dann das Silberglöckchen für 1000 Mark. Schnell wurde es zu einer Attraktion in der Gemeinde. So musste das Glöckchen vorerst in einer Scheune aufgebockt und mit einem Hammer geläutet werden, da der Glockenturm noch nicht vollständig errichtet war. Das wollten sich viele Anwohner nicht entgehen lassen und brachten extra Spenden ein um selbst das neue Glöckchen erklingen zu lassen. Zu ihrem Einweihungsfest im August 1921 erklang das Glöckchen mit seinem feinen, silbernen Ton dann zum ersten Mal von seinem neuen Turm aus.

 „Wenns Glöckelsche laut, kummsche hääm“ sei seitdem ein Sinnbild und hat „mehrere Generationen Kinder erinnert, rechtzeitig heim zu kommen“, erklärt Pfarrerin Bauer. Drei Mal am Tag läutete das Glöckchen, außerdem an wichtigen kirchlichen und weltlichen Ereignissen. Den Glöckner-Dienst übernahmen lange Zeit die Konfirmanden der Gemeinde. Denn dieser diente – ließ man sich genug Zeit – auch als hervorragende Ausrede um sich vor Schulstunden zu drücken. Andere Kinder entdeckten eine gute Spielmöglichkeit, bei der sie „das Glöckchen so fest anläuteten und schauten, wer am weitesten rennen konnte, während es noch läutete“ berichtet Pfarrerin Bauer. Wieder andere kletterten auf den Glockenturm, um eine Prozession aus luftiger Höhe zu verfolgen. So verbinden viele im Leopoldsthal ganz persönliche Erinnerungen mit dem alten Silberglöckchen. Die vielen Erinnerungen, die die Menschen in Leopoldsthal mit der kleinen Glocke verbinden hat  sie „zu einem Teil ihrer Lebensgeschichte gemacht“, so Pfarrerin Bauer.

Aber auch heute noch ruft das Glöckchen ein großes ehrenamtliches Engagement in der Gemeinde hervor. Um eine Renovierung des Glockenturms zu bezahlen, gründeten Gemeindemitglieder einen eigenen Förderverein, der die Bauarbeiten wesentlich mitfinanzierte. Zwar wird das Glöckchen seit dieser Renovierung nicht mehr von Hand geläutet, seine Bedeutung blieb für viele Menschen in der Gemeinde jedoch bestehen. Für Fotografen ist sie heute stets ein schönes Motiv und auch Heimatforscher und Hobbyhistoriker haben Gefallen an der alten Glocke. Zum 500-jährigen Jubiläum wird eine große Festschrift veröffentlicht, die die lange Geschichte des Silberglöckchens ausführlich vorstellt. Pfarrerin Bauer freut sich besonders, dass darin viele der persönlichen Geschichten und Erinnerungen von Gemeindemitgliedern eindrücklich weitererzählt werden. Denn auch wenn das Glöckchen 500 Jahre alt ist, so sei es auch heute noch ein Teil des Alltages der Menschen. Um sich daran zu erinnern, wird jährlich ein „Adventseinläuten am Silberglöckchen“ gefeiert, eine Andacht mit Glühwein, Feuer und den ersten Adventsliedern. „Dort kommen immer viele Menschen jeden Alters zusammen, denen das Glöckchen wichtig ist – oder noch werden könnte!“.

So ist das Silberglöckchen bis heute ein Symbol der Zusammengehörigkeit im Leopoldsthal und der Gemeinde Landsweiler-Schiffweiler. Die Aufgabe einer Glocke, wie sie der Dichter Friedrich Schiller in seinem berühmten „Lied von der Glocke“ beschreibt, hat sie damit allemal erfüllt: „Freude dieser Stadt bedeute.“

 

Zum Jubiläum ist die Festschrift „500 Jahre Silberglöckchen Leopoldsthal“erschienen: mit den wichtigsten Daten und vor allem vielen persönlichen Geschichten und Erinnerungen an das Leopoldsthaler Silberglöckchen. Es ist zum Preis von 9 Euro im Gemeindeamt erhältlich: Telefon 06821/ 6119.





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