18. Oktober 2019

Der Frauenchor „Viva Voce“ in Völklingen feiert sein 25jähriges Bestehen


Seit 25 Jahren schon kommt der Frauenchor „Viva Voce“ einmal in der Woche in der Völklinger Erlöserkirche auf dem Heidstock zusammen, um mit seiner Chorleiterin zu proben. Ein beachtlicher Zeitraum, der am 27. Oktober mit einem Jubiläumskonzert gebührend gefeiert wird.

 Zwölf Frauen haben sich zu einem Kreis aufgestellt. Zu den von rhythmischen Takten begleiteten Ansagen von Hedwig Conrath am Klavier rollen sie Schultern und Kopf, lassen das Becken kreisen, recken und strecken sich, schütteln Arme und Beine aus. Angesichts der körperlichen Lockerungsübungen könnte man zunächst glauben, man habe einen Gymnastik- oder Yogakreis vor sich. Doch die Atem- und Stimmübungen lassen keinen Zweifel: Wir sind in einer Chorprobe. 

 

Das Jubiläumskonzert steht unter dem Motto: „Schön war die Zeit“. Doch ein Wermutstropfen trübt die Festfreude erheblich, denn Hedwig Conrath wird nach dem Konzert die Chorleitung niederlegen. Die aus Österreich stammende Conrath ist Vollblutmusikerin. In Salzburg hat sie Gesang sowie Schulmusik und Geschichte für das Lehramt studiert, bevor sie 1970 mit ihrem Mann nach Völklingen kam. Er – ebenfalls Österreicher – war Stahlwerker und trat damals eine Stelle auf der Völklinger Hütte an. Seine junge Frau arbeitete eine kurze Zeit an der Hauptschule in Ludweiler.  Als die Kinder kamen, hängte Conrath die Lehrerinnen-Laufbahn erst einmal an den Nagel. Doch die Leidenschaft für die Musik ließ sie nie los. Als ihre Mädchen größer waren, arbeitete sie an der Musikschule in Sulzbach als Gesangslehrerin und Ensembleleiterin, sie war tätig in der musikalischen Früherziehung und bot Musikgruppen für Eltern und Kinder an.

 

Sie gab auch Gesangsunterricht, der auch so manchen Pfarrer stimmlich sicherer gemacht hat. Zusammen mit Ursel Heyl, der Frau des damaligen Pfarrers der Evangelischen Versöhnungskirchengemeinde, Horst Heyl, gründete sie Ende der 80er Jahre den  Kindersing- und Spielkreis auf dem Heidstock. Große Projekte gelangen: Das Kindermusical „Tabaluga“ war ein voller Erfolg und zog bei zwei Aufführungen rund 1000 Besucher an.

 

Am 3. September 1994 schließlich gründete sich der Frauenchor „Viva Voce“, den Conrath von der ersten Stunde an leitete. Unterstützt wurde sie von ihrer Freundin Ursel Heyl und ihrem Mann. Das Ehepaar kümmert sich bis heute um Organisation, Pressearbeit und Technik. Ursel Heyl singt auch mit im Chor. Altes und modernes geistliches Liedgut, Gospels – besonders südafrikanische Gospels -  aber auch weltliche Musik wie etwa Schlager aus den 60er Jahren gehören zum Repertoire. Auf viele Konzerte und Events blickt der Chor zurück. Er hat bei Taizé-Abenden mit den typischen meditativen Gesängen mitgewirkt, war beim von  Heyl initiierten Weihnachtssingen der Gemeinde mit von der Partie und hat die Weltgebetstage der Frauen mit vorbereitet und gesungen. Auch pflegte man immer einen regen Kontakt zu benachbarten Chören und konzertierte daher auch des Öfteren außerhalb der Erlöserkirche.

 

Der Entschluss, die Chorleitung aufzugeben, ist Hedwig Conrath nicht leicht gefallen. „Aber es war nun an der Zeit“, sagt sie. „Ich werde bald 70 Jahre alt  und habe es 25 Jahre lang gemacht. Es müsste nun eigentlich jemand Jüngeres her“. Doch die Nachfolge gestalte sich schwierig. Bisher habe sich  niemand gefunden. Conrath und Heyl befürchten, dass der Chor nach dem Ausscheiden seiner ausgesprochen beliebten und geschätzten Chorleiterin auseinanderfallen wird.

 

 „Es ist sehr schade, dass Hedwig aufhört“, sagt Edith Jost. Die 72jährige singt seit ihrem sechsten Lebensjahr, seit elf Jahren ist sie bei Viva Voce dabei. Chorgesang gehört zu ihrem Leben: „Ich suche mir vielleicht einen anderen Chor“, sagt sie. Andere sind bereits parallel in anderen Gruppierungen aktiv und werden da ihre künftige musikalische Heimat finden, wie etwa die 32jährige Sarah Linnenbacher: „Ich habe mich bei „Viva Voce“ ausgesprochen wohl gefühlt. Doch ich bin außerdem noch Mitglied in zwei Chören in Dudweiler und in Püttlingen, so dass es für mich dann dort weitergehen wird.“  Etwa die Hälfte der 22 Chorsängerinnen möchte jedoch für sich selbst ebenfalls einen Schlusspunkt setzen.  Man sei zusammen alt geworden, und so schade es auch sei: Es habe nun mal alles seine Zeit. Man habe ja auch keine jungen Stimmen mehr. Und ohne Hedwig wolle man nicht weitermachen, so der Tenor.

 

Eines steht fest: Musik ist aus Conraths Leben nicht wegzudenken. Sie wird weiterhin als Kontrabassistin in zwei Orchestern spielen. Und auch das ein oder andere Chorprojekt scheint sie für die Zukunft nicht ausschließen zu wollen. Nichts wäre den Heidstocker Sängerinnen mehr zu wünschen. Andrea Reinmann

 

 

Das Jubiläumskonzert von „Viva Voce“ findet am Sonntag, 27. Oktober, um 18 UhrIn der Erlöserkirche auf dem Heidstock  in Völklingen (Rheinstraße) statt.

 

 





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