13. Dezember 2019

Saar-Landtagsabgeordnete treffen sich im neuen Jahr regelmäßig zum Gebetskreis


Abgeordnete des saarländischen Landtags treffen sich im neuen Jahr regelmäßig zu einem Gebetskreis. „Wir wollen abseits des üblichen Parlamentsbetriebes Zeit und Ruhe finden, um innezuhalten“, sagte Landtagspräsident Stephan Toscani dem Evangelischen Pressedienst.

„Ein regelmäßiger überkonfessioneller Gebetskreis gibt überdies die Möglichkeit, einander auch interfraktionell in vertraulichen Gesprächen näher zu kommen.“ Die Landtagsabgeordneten Hermann-Josef Scharf (CDU) und Eugen Roth (SPD) hatten den Anstoß für den Gebetskreis gegeben.

 

   Einer ersten Einladung des Landtagspräsidenten im Dezember waren 12 der 51 Landtagsabgeordneten gefolgt. Scharf bezeichnete dies als wichtiges Signal in der heutigen Zeit. „Werte und auch Besinnung brauchen wir mehr denn je“, betonte der CDU-Politiker. Roth hob hervor, dass sich ein solches Angebot in vielen Landtagen bewährt habe. „Als Abgeordnete müssen wir argumentieren, streiten, ringen und diskutieren», sagte der SPD-Politiker. Das Gebetsfrühstück gebe die Möglichkeit, sich zu besinnen und auf eine andere Ebene einzulassen. „In der Hektik des Alltags können wir einen solchen Ruhepol gut vertragen“, sagte er.

 

   Auch die Leiterin des katholischen Büros im Saarland, Katja Göbel, und der Beauftragte der evangelischen Kirchen im Saarland, Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann, sind an dem Angebot beteiligt. „Ich sehe einen großen Vorteil darin, dass ein geschützter Raum entsteht, der den Austausch über Fragen ermöglicht, wo manche sich persönlich schwertun, eine Entscheidung zu treffen oder einer Vorgabe der Fraktion zu folgen“, sagte Hofmann. Das Gebetsfrühstück erinnere auch daran, dass ein Abgeordneter seinem Gewissen verpflichtet ist.

 

 „Eine Erfahrung teilen alle Gesprächspartner: den stetig wachsenden Respekt voreinander“, betonte Hofmann. „Bei allem Streit wird im jeweils anderen ein Mensch gesehen, der um die beste Entscheidung ringt. Wie man selbst.“  Wichtig ist dem Theologen zufolge, dass die Idee von den Parlamentariern selbst ausging und dabei keinerlei „amtskirchliche Bevormundung“ eine Rolle spielt. „Wenn es gewünscht wird, können wir mit Andachten, freien oder geprägten traditionellen Gebeten, biblisch-theologischen Impulsen zu Alltagsfragen oder auch Fragen der individuellen oder politischen Ethik dienlich sein, die Anregungen zum Nachdenken geben“, erklärte Hofmann. „Ziel dabei ist, das Gemeinsame und Verbindende zu suchen und anzuregen und die in unserer Gesellschaft zunehmend sichtbar werdenden Spaltungen zu heilen und zu überwinden.“

 

Der Gebetskreis trifft sich einmal im Monat donnerstags in der Plenarwoche des Landtages. Nach einem Impuls eines oder einer Abgeordneten wie etwa einem Bibelvers, der Tageslosung oder einer Kurzgeschichte treten die Teilnehmenden in einen vertraulichen Gedankenaustausch. epd

 





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